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Pétanque, so wird überliefert, entstand in der kleinen Hafen - und Werftenstadt La Ciotat,
die etwa 30 km östlich von Marseille liegt. Einige Spieler
beschäftigten sich auf dem Bouleplatz der Stadt (an der heutigen Avenue de
la Pétanque gelegen) mit dem bewegungsreiche Jeu provençal. Jules
LeNois,
der zu dem Kreis gehörte, aber wegen einer Gehbehinderung nicht mitmachen
konnte (ob Rheuma oder ein Unfall die Ursache war, ist unsicher) saß auf
einer Bank und schaute zu. Schließlich begann er sich den Unmut, nur
zuschauen zu können damit zu vertreiben, dass er seine Kugeln auf die sehr
kurze Distanz von nur drei Metern warf. In einer Spielpause kam sein
Freund Ernest Piotet hinzu und leistete ihm bei dem neuen Zeitvertreib
Gesellschaft. Andere schlossen sich an. Mit der Zeit einigte man sich
darauf, aus dem Abwurfkreis, stehend, auf sechs Meter Distanz zu spielen.
Gleichzeitig wurden weitere Regeln entwickelt, die vom Provenzalischen
Spiel abwichen. Das geschah im Juni 1910. An das Ereignis erinnert heute
eine Tafel an der Mauer des Pétanque-Platzes von La Ciotat.
Das Spiel gewann schnell
Freunde in Marseille und in der ganzen Provence. Piotet war sein
eifrigster Verfechter und bemühte sich um seine nationale Anerkennung, die
er in der Bildung einer Pétanque-Sektion im französischen Boule-Verband
gesehen hätte, der damals von den Spielern des Boule Lyonnaise beherrscht
wurde. Nach der letzten Ablehnung seines Antrags überredet er 1943 die
Spieler des Provenzalischen Spiels, gemeinsam mit Pétanque einen neuen
Verband zu gründen. Aus politischen Gründen konnte dieser Beschluss erst
nach Kriegsende 1945 verwirklicht werden. |
Bis in die 50er Jahre blieb
Pétanque im Wesentlichen ein regionales Spiel in der Provence und im Süden
Frankreichs. Der innerfranzösische Tourismus an die Côte d'Azur machte
danach das Spiel in ganz Frankreich etwas bekannter. Seinen wirklichen
Wachstumsimpuls erhielt es aber erst Anfang der 60er Jahre, als die
repatriierten Algerienfranzosen im ganzen Land die Einheimischen zum
Spielen anregten. Diese Entwicklung lässt sich anhand der Verkaufszahlen
für Pétanque-Kugeln nachweisen.
In den letzten zwanzig Jahren
dürften die Promotionsanstrengungen der Kugelhersteller zusammen mit der
seit 1969 sehr aktiven Führung des französischen und des internationalen
Verbandes zur Ausbreitung des Spiels wesentlich beigetragen haben. Der
französische Verband gibt heute an etwa 500 000 Spieler Lizenzen aus, die
zur Teilnahme an Wettbewerben berechtigen. Schätzungen besagen, dass fünf
bis acht Millionen Franzosen Pétanque spielen. Dem internationalen Verband
gehören inzwischen 27 Länder an. In Deutschland haben nach dem Zweiten Weltkrieg Spiele wie
Boccia, Boule Lyonnaise und Pétanque Anhänger gefunden. Frühere
Traditionen mit ähnlichen Kugelspielen aus Deutschland sind nicht bekannt.
Für die Einbürgerung der Spiele werden insbesondere Urlaubserfahrungen und
die engeren Kontakte zwischen den westeuropäischen Ländern nach dem 2.
Weltkrieg als Ursachen genannt. 1963 fanden sich Pétanque-Spieler zum
ersten Mal in einem Verein zusammen, nämlich dem Boule-Club Pétanque in
Bad Godesberg (laut Kölner Rundschau v. 7.2.1965).
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Pétanque fand seine
erste nationale Repräsentanz im 1980 gegründeten Deutschen
Kugelsportverband, doch machten sich die Spieler bald wieder selbständig
und sind heute im Pétanque-Verband mit Sitz in Köln
organisiert. Pétanque gehört zu einer
Gruppe von Spielen, von denen einige französische Boule-Spiele (neben
Pétanque insbesondere noch Jeu Provençal und Boule Lyonnaise), das
italienische Boccia und das britische Bowls heute am bekanntesten und
verbreitetsten sind. Im 19. Jahrhundert waren Spiele dieser Art in
Italien, Großbritannien und Frankreich als Volkssportarten mit regional
unterschiedlicher Beliebtheit und mit lokal variierenden Regeln
anzutreffen. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts begannen sie dann,
größere Bedeutung zu gewinnen. Das äußerte sich im Austragen von
Wettbewerben, in der Gründung von Clubs und Verbänden sowie insbesondere
in der Vereinbarung überregional verbindlicher Regeln.
Der Name - Ped
tanco
Die Körperhaltung des
Pétanque-Spielers hat dem Spiel seinem Namen gegeben. Pétanque ist
abgeleitet aus dem erst seit etwa 1930 bekannten, französischen Begriff
pied tanqué, der vom provenzalischen ped tanco stammt. Ped tanco heißt
übersetzt: "Auf dem Boden fixierter Fuß". Die Spielregeln verlangen
dementsprechend, dass die Spieler ihre Füße von deren Platz im Kreis erst
vollständig abheben dürfen, wenn die gespielte Kugel den Boden berührt
hat. |