Der Brauch, die Fanny zu küssen,
stammt angeblich aus Savoyen. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg gab es im
Café von Grand-Lemps eine Kellnerin namens Fanny. Der Legende nach
durften Kunden, die beim Boulespiel verloren hatten, ohne auch nur
einen einzigen Punkt erzielt zu haben, ihr zum Trost einen Kuss
geben - einen auf jede Wange, wie es sich gehört.

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Eines Tages ereilte auch den Bürgermeister
von Grand-Lemps dieses Missgeschick, und er wollte sich ebenfalls von
Fanny trösten lassen. Ob Fanny nun irgendetwas gegen ihn hatte oder
ihn nur öffentlich bloßstellen wollte, ist nicht bekannt. Jedenfalls
stellte sie sich auf einen Stuhl, hob ihren Rock hoch und streckte dem
Bürgermeister ihren Hintern entgegen! Der Bürgermeister wollte nicht
kneifen (im übertragenen Sinn, versteht sich) und gab Fanny zwei
herzhafte Küsse - auf den Hintern! Da nicht immer eine Fanny zur
Stelle ist, die bereitwillig ihren Hintern zur Verfügung
stellt, ist es Sitte, überall dort, wo Boule gespielt wird, eine
Fanny parat zu haben. Die unglücklichen Verlierer müssen dann in
aller Öffentlichkeit eine Fanny in Form eines Gemäldes oder einer Skulptur küssen.
So
wurde aus dem einstigen Trost die schlimmste Strafe für jeden
Boulisten! |
Übrigens soll im Französischen der Ausdruck "être capot",
was beim Kartenspiel so viel heißt wie "schwarz sein", von
einem provenzalischen Ausdruck stammen, der nichts weiter bedeutet als
- den Hintern küssen!
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